Würde man auf der “grünen Wiese” in einem völlig neuen geografischen Gebiet ein Glasfasernetz neu aufbauen, würde man ganz sicher viel weniger Zentralen bauen als dies im “Kupferzeitalter” noch der Fall war, denn die Distanzen über welche man ein FFTH-Signal noch “verlustfrei” übertragen kann sind technisch gesehen einfach viel grösser als über die konventionellen Kupferleitungen.

Eine bereits bestehende Zentrale verlegen oder ganz aufheben ist aber sicher mit einem sehr grossem Umbauaufwand verbunden, also wird es betriebswirtschaftlich gesehen einen Spread-off geben, ob sich im Einzelfall die Aufhebung einer bereits bestehenden Zentrale überhaupt jemals rechnen wird.

Eines ist aber sicher, für eine reines FTTH-Netz gibt es rein netzwerktechnisch gesehen bereits mehr als genug bereits bestehende Standorte von Zentralen.

Hobby-Nerd ohne wirtschaftliche Abhängigkeiten zur Swisscom

@millernet die ISP brauchen meistens nicht viel Platz maximal ein 42 HE 19″ Rack. Notstromversorgung ist gegeben durch den alten Batteriespeicher der EWSD in der Zentrale. Auf dem Lande sind die Zentralen nicht sehr gross so um die 400m2 Grundfläche im EG und im UG.

Da die ganze EWSD schon in den Zentralen abgebaut sind steht da viel Leerraum zur Verfügung, der wieder mit Umbaumassnahmen Vermietet werden kann.

Auch in kleine AVE ((max 20m2 Fläche) (Abgesetzte Zentrale)) werden OLT eingebaut.

Ähm, vielleicht ne blöde Frage aber wenn ich jetzt FTTH on Demand bestelle bei SC, ist das dann auch XGS-PON? Oder ist es AON?

@cybi kommt je nach Ausrüstung der Zentrale an. Tendenz eher XGS-PON.

@user109 Danke dir, werd ich wohl spätestens bei der IBN Erfahren 😉

user109 Es geht um Layer 1 des OSI-Modells. Durch den direkten Zugang zur Faser zum Endkunden resp. zur Nutzungseinheit hat Init7 die volle Flexibilität. Sie könnte auch Quanten durch die Faser “beamen” 😂 oder halt ⅒/25/50/100/400 Gbit/s oder Terabit-Internet anbieten, die Physik der Glasfaser ist quasi das Limit und nicht die Layer-2-Technologie der jeweiligen PON-Technologie. Mit PON resp. GPON oder XGS-PON bist du an die Limitierung der Technologie gebunden. Bei der ganzen Dikussion und Auseinandersetzung mit der WEKO geht es zudem nicht um PON vs. AON, sondern die Topologie (P2MP vs. P2P) des Glasfasernetzwerks zwischen Zentrale und Endkunden, quasi um die Dikussion wo sich die Splitter befinden. Ursprünglich waren diese nämlich nicht nur in der Zentrale, sondern zwischen Feeder und Drop oder sogar im BEP. Somit keine Chance für einen Mitbewerber eine ALO resp. einen Layer-1-Zugang ab Zentrale zu mieten. Man war auf Gedeih und Verderben auf dem PON-Tree der Swisscom angewiesen oder konnte sich für sehr viel Geld als Kooperationspartner (z.B Salt) einen eigenen PON-Tree zwischen Zentrale und Nutzungseinheit kaufen. Als eher kleine Nummer hättest du keine Chance auf Layer 1 gehabt und hättest deine Dienste nur per BBCS von Swisscom und damit über die Technik (Layer ⅔) von Swisscom einkaufen müssen. Das schöne an P2MP resp. PON ist die Möglichkeit im Feeder Fasern zu sparen resp. bestehende Fasern wesentlich besser auszulasten. Swisscom müsste weniger Fasern nachziehen und wäre sicher schneller im Ausbau. Das steht jetzt aber gar nicht mehr zur Debatte, denn eine Diskussion über hätte wäre könnte bringt uns nicht weiter. Es wird jetzt quasi wieder der Zustand des alten Telefonnetzes wiederhergestellt: Eine oder gar zwei Direktverbindungen (P2P) zwischen Nutzungseinheit und Zentrale. In dieser Zentrale kann von jedem Anbieter flexibel PON oder AON verwendet werden. Es wird keine Technologie diktiert.

Hier noch der Aufbau bei Init7:

Die unteren 4 Switches der Access-Ebene sind Cisco Catalyst mit 48 SFP28-Ports, wo flexibel 1, 10 oder 25 Bidi-Gigabit-Ethernet-Module verbaut werden können. Die oberen zwei Switches der Aggregation-Ebene sind ebenfalls von Cisco und verfügen über 32 QSFP28 Ports für 100-Gigabit-Ethernet. Jeder Switch ist mit jeweils 1× 100 Gigabit/s an jeweils einen Aggregation-Switch angeschlossen. Somit in diesem Beispiel, wenn wir von einer Vollbelegung mit 50% 25 Gigabit/s und 50% 10 Gigabit/s ausgehen (völlig unrealistisch, die meisten Kunden sind vermutlich noch auf 1 Gbit/s):

  • 0.5 * 48 * 25 Gbit/s = 600 Gibt/s
  • 0.5 * 48 * 10 Gbit/s = 240 Gbit/s
  • Total: 840 Gbit/s
  • Uplink: 200 Gbit/s
  • Ratio am Aggregation Switch: 1: 4.2

Jetzt kommt aber noch die Anbindung der beiden Aggregation-Switches mit je 1 × 100 Gbit/s ins Kernnetz von Init7 zum tragen:

  • 4 Access-Switches mit je 2 × 100 Gbit/s (Multimode AOC) an den Aggregation Switches: 800 Gbit/s
  • Uplink pro Aggregation Switch: 100 Gbit/s
  • Ratio: 1:4

Total Ratio: 1: 16.8

Weiterer Vorteil am Setup: off-the-shelf Hardware und kein proprietäres Telko-Equipment.

(Wo diese 4 DAC noch hingehen, weiss ich nicht. Fotos stammen von https://ipng.ch/s/articles/2021/08/28/fiber7-x.html )

millernet_0-1703185657104.png


@cybi schrieb:

Ähm, vielleicht ne blöde Frage aber wenn ich jetzt FTTH on Demand bestelle bei SC, ist das dann auch XGS-PON? Oder ist es AON?


Es wird nur noch P2P gebaut. Die Technologie entscheidet der Anbieter deiner Wahl und stellt diese in der Zentrale resp. dem POP resp. dem Punkt, wo deine Faser “ankommt” bereit. Init7 wird, sofern die Zentrale ein POP ist auf AON setzen und Swisscom, Sunrise etc. eher auf XGS-PON. Viele Anbieter werden die Vorleistungen über BBCS der Swisscom und damit XGS-PON anbieten.

Boaaahh. Ihr schreibt einfach zuviel, mag ja keiner lesen, der noch arbeiten sollte (muss) 😁

Nur kurz: ich kann (darf) nicht genau sagen (und darf @user109 auch nicht), wie unser Netz aufgebaut ist/wird.

  • Vieles was hier geschrieben ist, trifft nicht ganz zu.
  • So können wir durch konstantes Monitoring die Auslastung der PON-Trees beobachten und mittels HU/KI (Human Intelligence mit Hilfe von KI) entscheiden, wann wir die Uplinks der FAN um ein vielfaches erweitern wollen.
  • Die Rechnung hier der Überbuchung ist etwas gar pessimistisch.

Zur Distanz:

  • Nein die ist keineswegs egal!
  • Das grösste Problem sind Spleiss-Stellen und je länger ein Glasfaser-Kabel, desto mehr solcher Spleissungen gibt es. Man versucht natürlich die möglichst zu vermeiden, aber sind unumgänglich, wenn es Abzweigungen gibt.
  • Es ist auch bekannt, dass diese Spleissungen altern, also die “Dämpfung” mit der Zeit zunehmen kann.
  • Weiteres verlieren SFP ihre Dioden-Leistung und werden mit der Zeit blind, was sich auf die Distanz auswirkt.

Strategie:

  • Kupfer wird >10 Jahre genutzt werden.
  • In 2024 wird es einen deutlichen Fiber-Push geben, auch in ländlichen Gebieten, wo machbar (z.B. bei mir 😁 )
  • Es gibt ev. mal Geld vom Bund für Gebiete, welche nicht wirtschaftlich sind, diese zu erschliessen (erst muss das mal analysiert werden…und das wird sicher dauern)
  • Die Erschliessung der entfernten Gebiete kann aber auch mit alternativen Technologien erfolgen (SAT, 5G,…).
  • 1 Faser pro Nutzungseinheit in die Zentrale genügt (wer zum Geier hat mal beschlossen eine OTO mit 4 Plugs zu installieren)
  • In der Zentrale kann diese Faser auf beliebige Gerätschaften der ISP geschaltet werden werden. Der Vergleich mit POTS ist gut, da auch xgsPON eine Art TDM Technologie ist und nur eine Leitung in die Wohnung läuft.

War doch kurz, oder?

Viele Grüsse und geniesst die Feiertage

Roger G.
Swisscom (Schweiz) AG, Product Manager Wireline Access

    ein Jahr später

    Roger G

    Frage , gemäss dieses Treats wird bei Swisscom ja PON mit 1:64 Splitter und die Splitter sind wahrscheinlich nun sehr oft auch in der Zentrale verbaut, wegen der 2P2 Bauweise gemäss Vorgabe. Wenn sich alle an einem PON Tree also 10Gb/s up und down teilen bleibt da ja pro User nicht gerade viel Bandbreite übrig. Mir ist klar, dass es sehr oft so ist, dass nicht alle 64 Benutzer (Sofern alle 64 Ports belegt sind) online sind oder viel Bandbreite benötigen. Ich denke aber, dass es so trotzdem zu Engpässen kommt und eine gewisse Überbuchung vorhanden ist. Die Anbindung der PONS an das Backbone ist ja in der heutigen Zeit sicher kein Problem mehr, da ist sicher genügend Kapazität vorhanden.

    Wie werden dann Engpässe behoben, werden weitere PON Ports aufgeschaltet und Kunden auf einen anderen PON Port gemoved?

    Weitere Frage betreffend PON. Setzt oder wird Swisscom auch WDM-PON einsetzen? Ich weiss von 25PON oder 50 PON, weiss aber nicht was dies für einen Impact auf die verfügbare Bandbreite am einzelnen PON-Port hat.

    Gruess Tom

    • bitracer hat auf diesen Beitrag geantwortet.

      Tom_40 Dies sind optische Splitter. Der Markt bewegt sich in Richtung NG-PON2 (auch bekannt als TWDM-PON). Hauptsächlich wegen der fortschrittlichen Netzwerkfunktionen, weniger wegen der reinen Geschwindigkeit.

      Originalsprache (Englisch) anzeigen

      Lori-77 habe ich was verschlafen ? Jetzt haben wir 2025. Weltpremiere war 2020.

        user109

        Ne Ne hast du nicht, im Link ist ja das Jahr drin, es ging ja vorher darum was nicht kommt nach XGS PON, da ist mir nur mal wieder dieser Link in die Hände gefallen.

        Was mal getestet wurde…..

        Du weisst ja selber, wie wenig User die 10GB effektiv ausnutzen…..

        Gruss Lorenz

          Lori-77 ja genau und wie der Fredy das macht, ist halt zu teuer (Portkosten pro Kunde) in der Masse für Swisscom. So wären auch locker 100 Gbit/s drin.
          im Rechenzentrum gibt es schon 500 Gbit/s Backbone Leitungen.

          @Tom_40 siehe hier: XGS-PON-Glasfaser: Wie funktioniert die Rationierung?

          https://community.swisscom.ch/d/772106-xgs-pon-glasfaser-wie-funktioniert-die-rationierung

          geändert von user109

            user109

            Danke für die Infos und den Link, ich kenne diesen Eintrag. Jedoch zeigt er nicht auf, wie reagiert wird, wenn die Rationierung alleine nicht ausreicht und ein PON Tree über längere Zeit wirklich ausgelastet ist. Das Backbone ist ja dann nicht das Problem da der PON Tree wahrscheinliche über einen 100G/Bits Link angebunden ist.

            Gruess Tom

            • user109 hat auf diesen Beitrag geantwortet.

              Tom_40 nein 2× 10 Gbit/s wenn er überlastet ist dann halt =< 1 Gbit/s.

              Bei Powerusern schaut man genau auf die Finger was da ab geht und schreitet notfalls ein mit Fair use Bedingungen.
              z.B. sind Standleitungsverbindungen, Home-Webhosting, usw mit einem RES-Abo verboten.

              Sonst baut man halt aus, wie es auch beim PUS gemacht hat.

              Aber mal ehrlich, ich überwache seit über mehren Jahre meine Bandbreite komme so im Jahresschnitt so auf ca. auf 30Mbit/s und habe einen XGSPON Anschluss 10Gbit/s mit Abo L.

              Das Internet ist noch gar nicht parat für 10 Gbit/s, nur mit Ischias Griff für ein Paar K im Monat z.B. AWS
              Maximal waren 2 Gbit/s drin, aber das ist eine Rarität im schnitt so um die 500 Mbit/s

              geändert von user109

                user109

                Danke mich interessiert PON und das Design dieser Netzwerktechnik, deshalb die Frage. Im Internet gibt es ja Youtube Videos dazu. Aber nicht wie Bottlenecks entgegengewirkt oder darauf reagiert wird.

                Aktuell habe ich nun auch Glasfaser und das Abo M und dies reicht völlig aus. Ja das Internet hinkt definitiv der jetzt vorhandenen Bandbreiten nach.

                Gruess
                Thomas

                • user109 hat auf diesen Beitrag geantwortet.

                  Vielleicht ist das hier zur Erklärung auch noch ganz interessant. Ist zwar im Wesentlichen aus Sicht Deutschland erklärt, aber technisch ist es kein Unterschied. GPON wurde/wird nicht genutzt im Netz der Swisscom.