Warum Swisscom einen Kunden weniger hat
Meine Eltern bezogen über viele Jahre folgende Kombination:
Blue Internet S (40 MBit/s) für CHF 60.– / Monat
Blue TV S für CHF 5.– / Monat
Festnetz Blue Telefonie für CHF 15.– / Monat
Total: CHF 80.– pro Monat
Automatische Produktmigration per 1. Juli 2024
Per 1. Juli 2024 wurden ältere Abos automatisch abgelöst.
Der Preis für Internet S stieg um CHF 4.90 von CHF 60.– auf CHF 64.90.
Zwar wurde die Geschwindigkeit von 40 MBit/s auf 100 MBit/s erhöht – wer Glück hat und eine entsprechend schnelle Leitung besitzt, kann davon profitieren.
Der Preis für TV S wurde jedoch um ganze CHF 10.– von CHF 5.– auf CHF 15.– erhöht.
Neu gibt es 30 Stunden Replay. Spulen oder Aufnehmen ist weiterhin nicht möglich – auch nicht bei Werbung, sondern generell nicht.
Das Festnetz blieb unverändert bei CHF 15.– / Monat.
Neuer Totalpreis: CHF 94.90
→ Mehrpreis: CHF 14.90 pro Monat
Doch damit ist es nicht getan.
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Preisanpassung per 01.04.2026
Per 1. Juni 2023 hat Swisscom die AGB angepasst und sich das Recht eingeräumt, Preise im Falle einer Teuerung entsprechend zu erhöhen. Der Konsumentenschutz hatte dieses Vorgehen damals scharf kritisiert.
Von diesem Recht macht Swisscom nun per 01.04.2026 Gebrauch:
Im vorliegenden Fall bedeutet das:
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Gesamtentwicklung
Preis vor Produktanpassung: CHF 80.–
Preis nach Produktanpassung (01.07.2024): CHF 94.90
Preis nach Preiserhöhung (01.04.2026): CHF 98.60
Erhöhung innert knapp zwei Jahren: CHF 18.60 pro Monat
Das entspricht +23.25 %.
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Persönliche Einschätzung
Ich habe Swisscom lange verteidigt – nach dem Motto: Ein gutes Produkt mit entsprechendem Support kostet halt etwas. Doch nun ist die rote Linie überschritten.
Man muss zwei Dinge unterscheiden:
Die Teuerungsanpassung gemäss AGB (CHF 1.90 / CHF 0.90), basierend auf dem Landesindex der Konsumentenpreise (LIK).
Die vorgängige Produktmigration mit massiven Preisaufschlägen, insbesondere im TV-Bereich.
Gerade das günstigste TV-Abo wurde vermutlich von Personen genutzt, die selten fernsehen und hauptsächlich lineares TV konsumieren – oft ältere Menschen. Das neue Angebot mit 30 Stunden Replay, aber ohne Spulfunktion oder Aufnahme, ist für diese Zielgruppe kaum ein Mehrwert.
Eine Ablehnung des Produktwechsels war nicht möglich – das entsprechende Schreiben liegt vor.
Beim Internet kann man argumentieren: + CHF 4.90 für 100 MBit/s statt 40 MBit/s. Wer die höhere Bandbreite technisch nutzen kann, erhält mehr Leistung. Doch gerade in ländlichen Gebieten gibt es weiterhin viele Kupferanschlüsse, die keine 100 MBit/s liefern. Für diese Kunden war der erzwungene Wechsel ebenfalls ein Nachteil, welcher nur zu Mehrkosten ohne entsprechendem Mehrwert führten.
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Auch bei Zusatzoptionen teurer
Beispielsweise wurde die frühere Multiroom-Option für CHF 5.– / Monat durch „Multiroom Max“ für CHF 9.90 / Monat ersetzt.
Zwar können neu bis zu fünf Geräte betrieben werden – für einen Zwei-Personen-Haushalt ist das jedoch kaum relevant.
Das Prinzip scheint zu sein: „Nimm alles – oder lass es.“
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Umgang mit langjährigen Kunden
Gerade ältere, jahrzehntelang treue Kunden fühlen sich vor den Kopf gestossen. Innerhalb der Hauptmarke Swisscom gibt es kaum noch ein schlankes, preislich vernünftiges Angebot für Wenignutzer.
Und welche Kundengruppe wechselt am seltensten? Genau diese.
Per Ende März wurde nun alles gekündigt. Ich hoffe, dass viele Kunden kritisch hinschauen – befürchte jedoch, dass es nur wenige sein werden.
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Bonitätsprüfung bei Migros Mobile
Als Alternative wollte ich den Kunden bei der Swisscom-Drittmarke „Migros Mobile“ anmelden. Nach vollständiger Eingabe aller Daten kam die Mitteilung, dass der Vertrag aufgrund einer negativen automatischen Bonitätsprüfung abgelehnt wurde.
Der Kunde war über 40 Jahre Swisscom-Kunde und hat jede Rechnung pünktlich bezahlt. Noch nie gab es Mahnungen oder Zahlungsprobleme. Eine solche automatische Ablehnung ist – selbst wenn systembedingt – schwer nachvollziehbar und wirkt respektlos gegenüber langjährigen Kunden.
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Fazit
Zwischen Juni 2024 und April 2026 beträgt die Erhöhung 23.25 %.
Die effektive Teuerung lag im gleichen Zeitraum kumuliert bei lediglich rund 0.47 %.
Wir behalten uns vor, den Preisüberwacher sowie Konsumentenschutz-Organisationen zu informieren.
Traurig, was hier mit langjährigen, treuen Kunden geschieht – Kunden, die früher sogar noch Monat für Monat Miete für ein Wählscheibentelefon bezahlt haben.