Bilgin Frage an die Community: Hat jemand dieses technische Chaos zwischen Bestätigung und Ablehnung auch schon erlebt? Wie kann es sein, dass die jahrelange interne Wingo- und Swisscom-Historie bei einem Neuabschluss rein gar nichts zählt?
Ich hatte einen sehr ähnlichen Fall – allerdings nicht direkt ich selbst, sondern mein Vater. Und die Parallelen zu deiner Erfahrung sind frappierend.
Auch wir wollten von Swisscom wechseln, zu Migros Mobile. Migros Mobile ist – genau wie Wingo – letztlich ein Swisscom‑Produkt. Nach der Online‑Bestellung kam jedoch die automatische Mitteilung, dass der Vertrag wegen einer „negativen Bonitätsprüfung“ abgelehnt worden sei.
Damit begann eine regelrechte Odyssee:
Mehrere Kontaktformular- Anfragen
Zahlreiche Hotline‑Anrufe
Widersprüchliche Auskünfte
Verweis an eine falsche Inkassofirma
Zuerst wurde mein Vater an EOS verwiesen – dort war er aber nach getätigter Anfrage gar nicht erfasst. Nach weiteren Telefonaten mit der Hotline von Migros Mobile hiess es plötzlich, man beziehe für Privatkunden die Daten von Intrum. Also dort angerufen: Keine offenen Forderungen, keine negativen Einträge. Alles sauber.
Trotzdem blieb Migros Mobile überzeugt, es liege eine negative Bonität vor. Man verlangte eine schriftliche Bestätigung von Intrum, die aber bis zu 30 Tage dauern kann. Da der alte Swisscom‑Vertrag bereits gekündigt war, war das schlicht nicht praktikabel.
Swisscom selbst konnte zwar mündlich bestätigen, dass das Zahlungsverhalten einwandfrei sei, war aber nicht in der Lage, dies schriftlich zu bestätigen. Die Hotline‑Qualität war – gelinde gesagt – überschaubar, die Wartezeit dafür ungewöhnlich lang.
Bei Migros Mobile war es noch absurder: Aussagen wie: “Ich kann Sie nicht weiterverbinden, ich spreche hier in einen Computer hinein” oder “Rufen Sie einfach nochmals an, dann haben Sie jemand anders am Telefon, aber die andere Person wird Ihnen auch nicht helfen können” waren keine Seltenheit. Das absolute Highlight war die Aussage: “Wir sind halt Billig- Angebot” in gebrochenem Hochdeutsch. Eine Eskalation z.B. durch ein Durchstellen zu einem Vorgesetzten war unmöglich.
Mein Vater ist seit fast 50 Jahren Swisscom‑Kunde und hat nie eine Rechnung nicht bezahlt. Trotzdem zählt die eigene Datenhistorie nicht – stattdessen verlässt man sich blind auf externe Datenbanken, deren Qualität nicht immer über jeden Zweifel erhaben ist.
Am Ende stellte sich heraus, dass mein Vater bei Intrum mit einem falschen Geburtsdatum erfasst war und das System ihn deshalb als minderjährig eingestuft hatte. Erst nach einer Intervention auf höherer Ebene bei Swisscom wurde der Fehler korrigiert und der Vertrag konnte abgeschlossen werden.
Mein Fazit aus dem Fall
Swisscom stützt sich stark auf externe Bonitätsdaten, selbst wenn die eigenen Kundendaten eine jahrzehntelange, tadellose Historie zeigen.
Fehler in diesen Datenbanken können massive Auswirkungen haben – bis hin zur faktischen “Kontosperre” im Alltag.
Die Auskünfte der Hotlines waren teilweise falsch, widersprüchlich oder schlicht inkompetent.
Die Korrektur eines offensichtlichen Fehlers war nur durch Eskalation auf hoher Ebene möglich.
Das Problem liegt nicht nur bei Swisscom – andere Anbieter nutzen wahrscheinlich dieselben Datenquellen. Entscheidend ist, wie ein Anbieter mit solchen Fehlern umgeht.
Bilgin Es ist eine bodenlose Frechheit, wie hier die Kreditwürdigkeit unbescholtener Bürger durch inkompetente Datenpflege bei Drittanbietern wie EOS diskreditiert wird. Dass Wingo seine treuen Kunden lieber zur Konkurrenz treibt, als die eigene interne Datenhistorie zu nutzen, ist absolut unprofessionell.
Da gebe ich dir Recht, ich bezweifle aber, dass unter dem Umstand fehlerhafter Daten ein Abschluss bei einem Konkurrenten erfolgreich gewesen wäre, jedenfalls nicht bei den grossen Playern, da diese sicherlich die gleichen Datenkanäle nutzen.
Solche Inkassodatenbanken sind nicht ungefährlich: Ein einziger falscher Eintrag kann dazu führen, dass man plötzlich keine Abos mehr abschliessen, nichts mehr auf Rechnung bestellen oder keine Kreditkarte mehr beantragen kann. Und der Weg zur Korrektur ist oft mühsam und langwierig.