“Die Erwartungshaltung ist aber eine andere! Weshalb soll die Kundin 🙋🏻♀️ erwarten, wenn sie mit dem Mobile Phone vom Matterhorn in kristallklarer Qualität nach Amerika telefonieren kann? Bei der Zugfahrt wird sie beim Zellenwechsel ebenfalls nicht hinaus geschmissen? Da greifen die technischen Erklärungen schlicht nicht mehr… Viel mehr driften wir dann gemeinsam in die Tiefen eines komplexen technischen Systems, welches die normale Anwenderin 🙋🏻♀️ kaum so verstehen kann und will. Erwartungshaltung hat hier übrigens nichts mit inhaltlich korrekt zu tun..”
@andiroid das ist doch genau der Punkt: “Wechsle auf IP und alles wird besser” weckt eine Erwartungshaltung, die der aktuellen Technik teilweise einfach nicht gerecht wird. Früher hiess “telefonieren” Hörer abnehmen, tuuuuut hören, Wählscheibe betätigen, bei tuut-tuut-tuut darauf warten, dass der Angerufene abnimmt, oder bei tut-tut-tut wissen, dass der andere besetzt ist oder den Hörer neben das Telefon gelegt hat. Unterbrüche während des Gespräches? Probleme beim Rufaufbau? Gab es nie oder alle Schaltjahre mal -> ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass das Telefon mal “einfach so” nicht funktionierte oder gar eine bestehende Verbindung einfach unterbrach.
Heute gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten, einen Anruf zu tätigen, und die Schnittstellen sind vielfältiger geworden. @hed hat das ja sehr schön beschrieben. So betrachtet ist es eine super Leistung, haben wir “nur” 1 bis 2x pro Monat einen Abbruch. Für die Emotionen ist das aber genau 1 bis 2x zu viel. Wenn ich übers Festnetz telefonieren will, dann soll es genau so zuverlässig und “unkapputbar” funktionieren wie früher. Wenn das nicht geht, kann ich ja das Festnetz eh streichen und auf die unzuverlässigere “Handytelefonie” wechseln.
Und genau da liegt doch das Problem: Es ist heute egal, ob ich das Festnetz oder das Handy nehme, Festnetz=stabil <-> Handynetz=unzuverlässig stimmt einfach nicht mehr. Das muss zuerst in die Köpfe von uns “alten Säcken”, die das Wählscheibentelefon noch kennen. Meine Kids haben jedenfalls kein Problem, aufs Festnetz zu verzichten…
Habe mich jahrelang dagegen gewehrt, heute akzeptiere ich, dass ich meinen Festnetzanschluss hauptsächlich aus Nostalgiegründen am Laufen halte (dafür richtig, mit Wählscheibentelefon 😉). Ich erlaube mir noch anzunehmen, dass eine Festnetzanschlussnummer auf einem Formular immer noch seriöser wirkt als eine Handynummer. Aber auch das ist heute wohl Wunschdenken.
Thomas
ps: muss aber feststellen, dass die paar Telefone, die wir aus unserem Haushalt pro Monat noch machen, seit geraumer Zeit zuverlässig funktionieren. Abbrüche bei meinem Privatanschluss kenne ich selber nicht mehr. Das war vor ein paar Jahren noch anders.